Rezension über das Buch von Gisela Hötker-Ponath:
Trennung ohne Rosenkrieg. Ein psychologischer Wegweiser
Stuttgart, Klett-Cotta, 2012

 


Kultur der Trennung


Wer kennt sie nicht aus dem nahen oder fernen Bekanntenkreis, die Trennungen, die aus dem Ruder laufen, wenn zwei erwachsene, ehemals verliebte Menschen sich nach dem Beziehungs-Aus über ihre Rechtsanwälte das Leben zur Hölle machen?
Den Begriff „Rosenkrieg“ für diese Katastrophen gibt es erst seit gut zwanzig 20 Jahren: Mr und Mrs Rose, alias Michael Douglas und Kathleen Turner, klammern sich an einen schwankenden Kronleuchter und stürzen schließlich gemeinsam in den Tod. Diese Szene aus dem Film von 1989 steht als Synonym für den von außen absurd anmutenden Kleinkrieg um Aktien-Zugewinn, DVD-Sammlungen und Sorgerechte.
In Deutschland wird jede zweite bis dritte Ehe geschieden. Angesichts dieses immer wahrscheinlicher werdenden biografischen Ereignisses tritt die Paartherapeutin und Supervisorin Gisela Hötker-Ponath mit ihrem aktuellen Ratgeber „Trennung ohne Rosenkrieg“ für ihre Vision ein, „dass es möglich sein kann, von einer ‚Kultur der Beziehung’ zu einer ‚Kultur der Trennung’ zu kommen“.
Was dafür nötig ist, trägt sie ausgesprochen fachkundig und mit viel Erfahrungswissen in fünf Kapiteln zusammen, denen – wie üblich in dieser Klett-Cotta-Reihe – Orientierungspunkte als „Schnelleinstieg“ vorangestellt sind: Beginnend mit den „Häufigsten Trennungsgründen“, über „Äußere Veränderungen und Phasen der Trennung“, „Das Problem der Ungleichzeitigkeit“ und „Achterbahnfahrt der Gefühle“, hin zu „Was Trennungskinder brauchen“ und „Eine neue Lebensform finden“.
So gibt das Buch den Leserinnen und Lesern eine klare Orientierung, wenn sie in Zeiten der emotionalen Orientierungslosigkeit zu diesem Kompass greifen. Sie werden umfassend – durchaus auf der Basis einschlägiger Trennungsliteratur von Doris Wolf bis zu Horst Petri – informiert. Durch ausführliche Selbsttests, Checklisten und Übungen werden sie aufgefordert, die Auseinandersetzung mit Gründen, Unsicherheiten und Zukunftsvorstellungen vor, während und nach dem Ende einer Beziehung aufzunehmen.
Im Gegensatz zu anderen Trennungsratgebern wendet sich die Autorin diesmal an beide Zielgruppen, „denn die notwendigen Ablösungsthemen und Veränderungsprozesse sind gar nicht so unterschiedlich, wie oft angenommen wird“. Sie wählt in ihren grafisch unterschiedlich abgesetzten Empfehlungen die direkte Ansprache an beide Seiten und will dazu beitragen, „gängige Denkmuster wie ‚der Verlassende ist der Starke, aber auch der Böse’ und ‚der Verlassene ist der Leidende und das Opfer’ aufzuweichen“. Was ihr sehr gut gelingt.
Und sie behandelt in ihren Ausführungen – ebenso gelungen – auch immer wieder separat die Trennungsauswirkungen „Für die Erwachsene“ und „Für die Kinder“.
Fazit: Das Buch nimmt die Leserin, den Leser „an die Hand“ und führt mit viel Zuspruch und Zuversicht durch turbulente Zeiten. Die zentrale Botschaft dabei lautet: „Sie müssen nicht alles können, aber bereit sein, sich Hilfe, die Sie benötigen, von außen zu holen.“
Ein optisch sehr gut gestalteter Wegbegleiter sei mit diesem Buch empfohlen, damit vielleicht der eine oder andere „Rosenkrieg“ vermieden werden kann. Denn wer will schon gerne vom Kronleuchter stürzen?

Hartwig Hansen, Hamburg

 

Erschienen in: Psychologie heute, 40. Jg., Heft 3/2013